Zulauf Bleicher von Rohrbach

Die Zulauf

wirken seit dem 17. Jh. hier. Nach mündlicher Überlieferung sind kurz vor dem 30-jährigen Krieg, der von 1618 bis 1648 dauerte, drei Brüder von Norden her in die Schweiz ein­gewandert. Einer habe sich in Schinznach, einer in Rohrbach und einer in Langenthal niedergelas­sen. Unsere Ahnenforschung führte uns zum Eintrag der ersten Ehe eines Zulauf in den Kirchenbü­chern von Rohrbach am 12. März 1612, Felix Zulauf und Margret Dänler. Sie sind unsere di­rekten Vorfahren. Ein zweiter Eintrag lautet auf Jacob Zulauf und Mad­lena Tschumi, die am 26. März 1621 ihr erstes Kind tauften. Diese Familie zog später nach Langenthal und gründete dort ebenfalls eine Bleiche. Sie sind die Stammeltern der Langenthaler Zulauf.

Das Farbhaus

wurde um 1630 direkt am Bachufer erbaut. Auf dem heute noch als Ses oder Säss bezeichneten Stück Land baute 1717 die dritte Generation, Felix Zulauf und Maria Rychener, das so­genannte Sässhaus, was Sitz oder Stammhaus bedeutete. Dieses Haus wurde von der siebten Gene­ration noch übernommen aber nicht mehr an die achte weitervererbt. Peter, ein Neffe aus der vierten Generation, erbaute 1740 das grosse Bauern­haus. Im gewölbten Kellereingang ist in Sandstein ein­geritzt: Erbaut von Peter Zulauf und Verena Herrmann sein Ehegemahl anno 1740. Verena gebar dreimal ein Mädchen und als viertes Kind einen Sohn, Peter, doch wurde keines ihrer Kinder mehr als zwei Jahre alt. So hinterliess dieses Ehepaar keine Nachkommen, und Bau­ernhaus, Farbhaus und Sässhaus gehörten nun dem Abraham Zulauf, 4. Generation.

Die Zulauf waren Färber, Bleicher, Walker und Krämer

Sie veredelten die „flächsenen“ Tücher, die in den vielen Webkellern von Rohrbach und Umgebung gewoben wurden. Abraham war ein Unternehmer der seiner Färbe und Bleiche auch eine Walke angliedern wollte. Er ersuchte die Hohe Obrigkeit um die Bewilligung ein Rad ans Wasser zu stellen, um sich die Arbeit zu erleichtern. Am 8. Januar 1760 erhielt er von den „ hochwohl­gebornen, Gnädigen Herren“, nach längerem Rechts­streit, die Concession zum Betreiben eines Wasserrades. In den 20er Jahren des letzten Jh. hat die 9. Generation die Naturbleiche aufgegeben, weil das Zeitalter der chemi­schen Industrie begonnen hatte und  sehr viel hätte investiert werden müssen. Die Kollergangmühle wurde noch zum Mahlen von Leinkuchen für Kunden benutzt. Leinkuchen waren Eiweissträger und wurden als Tierfutter einge­setzt. Diesen Betriebszweig hat die 10. Generation in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts auf­gege­ben. Das Mühlebett wurde in den 70er Jahren entfernt, um als neuen Betriebszweig im Farbhaus Mutter­schweine halten zu können. Mit Wasserkraft hat die 11. Generation noch bis in die 60er Jahre die Holzfräse und die Jauchepumpe angetrieben. Nach dem Kauf des ersten Elektromotors wurde die Wasserkraft nicht mehr ge­nutzt. Das gut erhaltene Wasserrad wird seither noch zu De­monstrationszwecken in Betrieb gesetzt.

 Von Anfang an

waren die Zulauf Besitzer einer sehr ergiebigen Quelle. Diese bringt im Durchschnitt 300 Mi­nutenliter. Seit einigen Jahren werden in den nicht mehr benötigten Futtersilos Re­genbogenforellen gehalten. Dies ist ein kleiner Nebenerwerb. Neuerdings besteht ein grosses Inte­resse an dem neu lancierten Projekt „Fo­rellenhaltung im Schweinestall“. Wir sind deshalb momen­tan damit beschäftigt in einem Teil des Schweine­stalles eine solche Indoor-Anlage zu realisieren.

Farbhaus

1986 wurde das seit hundert Jahren nicht mehr bewohnte Farbhaus in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz restauriert. Im ersten Stock wohnen seither die Grosseltern und im zweiten wurde eine kleine Wohnung mit Zu­satzzimmer im Dachgiebel, als Angebot für „Ferien auf dem Bauernhof“ eingerichtet. Im Bauernhaus wurde in der alten Kornkammer eine Küche und Bad eingebaut und dazu  zwei Zimmer eingerichtet, ebenfalls für „Fe­rien auf dem Bauernhof“.

 Unser neuestes Projekt

ist das Wiederinstandstellen der Kollergangmühle mit Wasserrad-Antrieb zu Demon­strationszwecken. Da das Wort „Atomausstieg“ sehr aktuell ist, wurde gleichzeitig eine An­frage beim bernischen Wasseramt eingereicht, ob wir mit Wasserkraft ein bisschen Strom produzie­ren  dürften. Diese Idee wurde aber umgehend im Keim erstickt. Die Zeit für eine solche Erlaubnis scheint bei den heutigen „Gnädigen Herren“ in Bern noch nicht reif zu sein.